Am 6./7. Dezember 2008 führte der Regionalchor Nürtingen zusammen mit einem Projektorchester das Weihnachtsoratorium (Teil 1-3), BWV 248, von Johann Sebastian Bach auf.

 

Konzerte

Samstag, 06. Dezember 2008, 19.00 Uhr   Neuapostolische Kirche Stuttgart-Süd, Immenhofer Str. 62
Sonntag, 07. Dezember 2008, 18.00 Uhr   Neuapostolische Kirche Göppingen, Olgastraße 45

 

Leitung:  Frank Ellinger und Melanie Koch
   
Sopran:  Melanie Schlerf
Alt:  Margret Hauser
Tenor:  Rüdiger Linn
Bass:  Jens Paulus
Ausführende:  Regionalchor und Projektorchester der Neuapostolischen Kirche

 

Benefizkonzert zu Gunsten der Aktion "Gute Taten" der NWZ (Sonderbeilage)

Bericht auf der Seite der Neuapostolischen Kirche Bezirk Stuttgart/Leonberg und Bezirk Göppingen.

Werkeinführung

Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium gehört zu den bekanntesten und auch großartigsten Oratorienschöpfungen des 18. Jahrhunderts. Das Werk selbst ist eine Reihung von sechs Kantaten, die er für die Gottesdienste der drei Weihnachtsfesttage, den Neujahrstag, den Sonntag nach Neujahr und das Epiphaniasfest im Jahre 1734/1735 komponiert hat.

Der Textdichter ist unbekannt, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass nicht unwesentlich der schreibgewandte Christian Friedrich Henrici, bekannt als “Picander” an der Texterstellung beteiligt war. Ohne Zweifel hatte jedoch Bach selbst auf die Textauswahl entscheidenden Ein! uss, griff er doch zum größten Teil auf bereits vorhandene weltliche Huldigungsmusiken zurück, und machte diese „gottesdiensttauglich“ - eine Praxis, die damals sehr gebräuchlich war. Nicht weniger als siebzehn Stücke, darunter so gut wie alle Eingangschöre und Arien entstammen Festkantaten, die Bach zum Geburtstag der Königin und des Kurprinzen von Sachsen und für andere weltliche Anlässe geschrieben hatte. Mit größter Sorgfalt und Meisterschaft wurde der weihnachtliche Text unterlegt und der Hörer wird nirgends eine Diskrepanz zwischen Musik und Text spüren. Auch darf man nicht übersehen, dass das textliche Rückgrat - die Evangelienberichte nach Lukas und Matthäus - praktisch unverändert der Heiligen Schrift entnommen sind.

Werke, die Bach in dieser Weise bearbeitete und einer mehrfachen Aufführung würdigte, können in seinen Augen nur zu den wichtigsten und wertvollsten gehört haben. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch in der sorgfältigen, planvollen Struktur des Werkes. So ist das Weihnachtsoratorium nicht etwa eine bloße Aneinanderreihung verschiedener Sätze, sondern jeder Teil ist in sich, wie auch die Großform der Teile I – VI (I – III, IV – VI) klar, ja oft symmetrisch gegliedert. Auch die tonartliche Abfolge ist bewusst gewählt und geprägt von großem architektonischen Spürsinn.

Der erste Teil mit dem jubelnden und zum Lobpreis auffordernden Eingangschor ist zunächst ganz auf die Zukunft gerichtet und behandelt die adventliche Verheißung und Erwartung des Heilandes: Die Altarie „Bereite dich Zion“ ist dabei, zumindest im übertragenen Sinne, Maria in den Mund gelegt. Ihr zugeordnet ist als Attribut die Oboe d`amore, die Liebe symbolisierend.

Das Zentrum des ersten Teiles und die Antwort auf die Altarie ist Paul Gerhardts Choral „Wie soll ich dich empfangen“.

In der zweiten Hälfte des ersten Teiles wird die messianische Botschaft erläutert und göttliches Geschehen wird musikalisch kongenial verkündigt. Die Bassarie „Großer Herr, o starker König“ ist ein Hymnus (Trompete!) auf die Majestät Gottes, den Schöpfer der Welt.

Der Schlusschoral „Ach mein herzliebstes Jesulein“ schlägt in der Geschlossenheit der Satzfolge und in der Instrumentierung mit drei Trompeten den Bogen zurück zum prächtigen Eingangschor.

Dem zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums liegt der Bericht von der Verkündigung des Engels bei den Hirten auf dem Felde zugrunde. Die Trompeten als die Repräsentanten der göttlichen Welt bleiben unbeteiligt. Schon im einleitenden, dem übrigens einzigen reinen Instrumentalsatz des Oratoriums, sieht sich der Hörer versetzt in jene Nacht mit den Hirten auf dem Feld: Ein himmlisch anmutender Reigen hebt an, mit Flöten und vier Oboen Himmel und Hirtenwelt symbolisierend. Gottes Welt dringt „nach unten“ und beginnt, die Menschen zu berühren, zu erfüllen. Aus erschrockenen werden frohe Hirten. Der „finstre Stall“ in tiefer Lage und „dunkler“ Tonart bildet die Mitte des zweiten Teils und damit auch die Mitte der Teile I – III.

Das Wiegenlied „Schlafe, mein Liebster“ ist in diesem Gesamtkontext als gemeinsames Lied Marias, der Engel und der Hirten zu verstehen. Das virtuose „Ehre sei Gott“ der himmlischen Heerscharen erinnert an die Tradition der Turbaechöre, die oratorische Praxis also, die Stimmenwucht, den Ausbruch der „redenden“ Menge musikalisch zu bündeln. Dieser Chorsatz ist in seiner Ausdrucksdichte und der instrumental - virtuosen Führung der Vokalstimmen wohl einzigartig. Mit einem majestätisch anmutenden Choral beschließt Bach den 2. Teil.

Der dritte Teil rückt die Erwartungen und Erlebnisse der nun nach Bethlehem aufbrechenden Hirten in den Mittelpunkt. Auf den mitreißenden Turbaechor „Lasset uns nun gehen“ mit drei verschiedenen rhythmischen Ebenen folgt das kindlich vertrauensvolle Duett “Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen”. Im Geiste großer Ehrfurcht und Intimität komponiert, erklingt in der Art eines Wiegenliedes die Altarie “Schließe mein Herze dies selige Wunder”. Der dazwischen geschobene Choral erfüllt die Aufgabe, das Bekenntnis der Hirten zum Bekenntnis der christlichen Gemeinde werden zu lassen: “Dies hat er alles uns getan”. Die Geschichte wird zur Gegenwart, es ist ein Ruf an die Menschen: “Seid froh dieweil”.

Eröffnet und beschlossen wird dieser Teil mit dem festlichen Chor “Herrscher des Himmels”, so, als ob Bach auf diese Weise dem Ende der eigentlichen Weihnachtsgeschichte Nachdruck verleihen wollte.